Es ist eine regelrechter Glaubenskrieg: Welches ist die richtige Philosophie? Der offene, plattformübergreifende Ansatz von Google, der Android auf einer breiten Auswahl an Devices verfügbar macht aber dadurch auch zur Zielscheibe für Hacker und Malware wird? Oder doch das geschlossene Ökosystem von Apple, das durch sein Nutzererlebnis überzeugt aber sowohl Anwender als auch Entwickler in ein enges Korsett aus Regularien zwängt? Gibt es vielleicht einen gesunden Mittelweg? Diese Fragen beschäftigen die Mobile Community derzeit so intensiv und emotional, dass man in entsprechenden Gesprächsrunden fast tätliche Übergriffe fürchten muss.
Ein ähnlicher Glaubenskrieg wütet bereits seit den 80’er Jahren. Apple entwickelte mit dem Macintosh eine voll integrierte Umgebung, bei der Hard- und Software perfekt aufeinander abgestimmt waren, um dem Anwender ein möglichst einheitliches Nutzererlebnis zu bieten. Erweiterbarkeit und Softwarevielfalt: Fehlanzeige. Microsoft hingegen ging mit Windows als Betriebssystem für jeden IBM-kompatiblen Rechner einen ganz anderen Weg – und war damit letzten Endes bis heute erfolgreicher, zumindest was die Etablierung seiner Software als weltweiten Standard angeht.
Der Konflikt flammt in Zeiten von Smartphones und Tablet-PCs erneut auf. Apple vs. Google, iOS vs. Android, Objektive-C vs. Java, Offen vs. Geschlossen. Und was ist mit Microsoft? Microsoft schafft es in dem für sie sonst schwierigen Umfeld mobiler Technologien tatsächlich einen Akzent zu setzen, indem man ein recht geschlossenes Content-Ökosystem (vergleichbar mit dem von Apple) durch einheitliche Integrationsvorgaben auf verschiedenen Plattformen anbieten kann. Zu einer führenden Rolle im heiß umkämpften Markt für mobile Betriebssysteme reicht es trotzdem noch nicht, dieses Rennen machen im Moment andere.
Nach allem was wir in den letzten Monaten gesehen haben, wird dieser Konflikt zunächst weiter bestehen. Die Vorteile der einzelnen Plattformen sind mittlerweile allgemein geläufig:
Apple iOS bietet durch eine umfassende Integration von Devices, Betriebssystem und Content ein durchgehend beeindruckendes Nutzererlebnis. Apps können ausschließlich (jailbroken-Devices mal ausgenommen) über kontrollierte Wege wie den iTunes AppStore oder unternehmenseigene Company AppStores bezogen werden. Die Security-Features und das Mobile-Device-Management-Protokoll sind nach aktuellem Stand der Dinge nahezu vorbildlich. Aber die Einführung der Apple-Plattform im Unternehmen bedeutet vielerorts auch den Neuaufbau entsprechender Skills, vor allem in Sachen Cocoa Touch und Objective-C, wenn irgendwann einmal die eigene App auf dem Display flackern soll. Zudem muss in Sachen iTunes-Accounts und bei anderen, stark personalisierten Diensten dringend etwas passieren, damit sich geschäftliche Strukturen im Apple-Universum besser abbilden lassen.
Google Android hingegen bietet mit dem offenen, plattformübergreifenden Ansatz andere Vorteile, die Segen und Fluch zugleich sein können. Apps können von jedem beliebigen Ort im Internet heruntergeladen und installiert werden. Dies liberalisiert zwar die Distributionskanäle, öffnet einem breiten Spektrum an Malware aber Tür und Tor. Die Statistiken zu Malware auf Mobile Devices belegen dies. Ein Vorteil: mit Android hat man Zugriff auf eine breite Palette wirklich hervorragender Hardware – was uns zugleich zum nächsten Problem führt: der Fragmentierung. Android muss auf jedes einzelne dieser Devices spezifisch zugeschnitten werden. Auf aktuelle Patches direkt von Google warten Besitzer der meisten Smartphone-Modelle vergeblich, weil der jeweilige Hersteller diese nur für aktuellere oder gar kommende Geräte anbietet. Bei der Vielfalt an Android-Hardware muss man derzeit gut und gerne von über 150 verschiedenen Versionen des Betriebssystems ausgehen. Pikant: Nicht einmal „What’sApp” oder die „Facebook-App” laufen auf allen problemlos. Wirklich klasse hingegen ist die Tatsache, dass ein Java-Entwickler mit einem tollen Set an Entwicklungstools recht schnell einsteigen und erste Anwendungen entwickeln kann. Und auch in Sachen Device Management ist mit Android einiges möglich.
Ob und wie Microsoft sich vor diesem Hintergrund schlagen wird, bleibt abzuwarten. Windows 8 wird vermutlich wieder völlig neue Aspekte zu Tage bringen. Wir dürfen gespannt sein. Mit der Unternehmensbrille auf der Nase würden wir uns vor allen Dingen dringend überfällige Device Management Features wünschen.
Wie jeder klassische Berater mag auch ich mich nicht zu einer Wette hinreißen lassen. It depends, wie man so schön sagt. Es gibt eine große Anzahl von Faktoren die situationsabhängig für oder wider einen der Kandidaten sprechen. Man sollte diese je nach Einsatzbereich, Nutzergruppe, Sicherheitsanforderungen, gewünschter Hardware und verfügbaren Skills sorgfältig abwägen. Einige werden Blackberry in meiner Betrachtung vermissen. Ich glaube, dass Blackberry uns als bestehende, etablierte Plattform mit allen Vor- und Nachteilen noch lange erhalten bleiben wird. Allerdings glaube ich auch, dass Blackberry-Bestandskunden (und das sind die meisten Unternehmen weltweit) ihre existierende Plattform nicht mit o. g. Fragestellung konfrontieren werden. Das zumindest zeigen meine Erfahrungen der letzten Monate.
Übrigens: Wer kritisch sieht, dass man sich mit iPhone und iPad vollkommen von Apple abhängig macht, dem sei in Erinnerung gerufen, dass unsere gesamte Office-IT seit gut 20 Jahren auf Microsoft aufbaut. Wie abhängig sind wir wohl davon?